Ein würdevolles Sterben ist das Ziel

Ökumenische Hospizinitiative im Landkreis Ludwigsburg e.V.
SAPV
Die Verbesserung der palliativmedizinischen Betreuung ist Thema beim Fachtag "Schmerz" im Landratsamt

Der Landkreis Ludwigsburg verfügt seit Jahren über ein gut ausgebautes Netz in der Hospizarbeit. Bekanntlich ist jedoch nichts so gut, dass man es nicht noch verbessern könnte. Ein sogenanntes "Palliative-Care-Team", bestehend aus Ärzten, Pflegern und weiteren Betreuern, sucht man hier bislang noch vergebens.

Von Michael Banholzer

Dies sollte sich jedoch möglichst bald ändern. Schließlich haben Schmerzkranke in Deutschland seit April 2007 einen Rechtsanspruch auf eine verbesserte schmerztherapeutische Behandlung, die sogenannte "spezialisierte ambulante Palliativversorgung". Die Teams, die Patienten eine maßgeschneiderte Versorgung ermöglichen sollen, sind hier ein ganz wesentlicher Baustein.

Beim mittlerweile zweiten Fachtag, den der "Runde Tisch Schmerz" wie schon vor zwei Jahren gemeinsam mit dem Landratsamt [Ludwigsburg] organisiert hat, wurde gestern [15. Juni 2010] über die schleppende Umsetzung des Rechtsanspruchs gesprochen. Das Netzwerk, dem neben dem Kreis unter anderem auch Hospize, Pflegeheime, Brückenpflege, Hausärzte und das Ludwigsburger Klinikum angehören, soll bei der flächendeckenden Umsetzung der "spezialisierten ambulanten Versorgung" helfen. Rund 150 Mediziner, Pflegekräfte oder ehrenamtliche Sterbebegleiter waren hier zu Gast.

Jeder zehnte Sterbende benötigt Palliativ-Versorgung

Ein friedliches Entschlafen wünschen sich wohl die meisten Menschen für ihr eigenes Lebensende. Leider ist dies aber nicht jedem vergönnt. Viele schwere Krankheiten verursachen in vor allem ihrer letzten Phase starke Schmerzen. Wohl dem, der da eine qualifizierte palliative, also scmerztherapeutische Versorgung in Anspruch nehmen kann.

Statistisch gesehen benötigt jeder zehnte Sterbende eine schmerzmedizinische Versorgung. Umgerechnet auf den Landkreis Ludwigsburg bedeutet dies, dass pro Jahr mehr als 400 Menschen eine palliativmedizinische Betreuung benötigen - darunter gut drei Dutzend Kinder, so der Erste Landesbeamte Dr. Utz Remlinger in seinem Grußwort. Immerhin gebe es hierfür im Kreis bereits ein gut ausgebautes Netz in der Hospizarbeit, wie die Mitorganisatorin des Fachtages, Sabine Horn von der Ökumenschen Hospizinitiative, berichtete.

So begleitet die stationäre Einrichtung in Bietigheim-Bissingen bis zu sieben Sterbende auf ihrem letzten Weg. Zudem gibt es 24 ambulante Hospizgruppen und einen ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst. "Wir stehen nicht bei Null", betonte daher Vizelandrat Remlinger.

Trotzdem geht im ganzen Land die Umsetzung des Rechtsanspruchs auf eine verbesserte schmerzmedizinische Versorgung nur langsam voran, wie die Ärztin und Vorsitzende des deutschen Hospiz- und Palliativverbandes, Dr. Birgit Weihrauch, in ihrem einführenden Referat berichtete.

Das zeige sich beispielsweise an den sogenannten Palliative-Care-Teams. In diesen arbeiten Ärzte, Pfleger und auch andere Fachkräfte wie etwa Psychologen zusammen, um Betroffenen und ihren Angehörigen ortsnah, also möglichst, in den eigenen vier Wänden, beizustehen. Sie sollen auch andere Helfer wie die Hospize bei ihrer Arbeit beraten und unterstützen.

Von den 330 Teams, die es eigentlich deutschlandweit bereits geben sollte, haben bislang aber nur 76 ihrer Arbeit aufgenommen. Die Ursachen sind lt. Weihrauch vielfältig. So handele es sich bei den Teams um eine ganz neuartige Struktur aus Ärzten und Pflegekräften. Außerdem müssen für die Vergütung mit den Krankenkassen Verträge abgeschlossen werden. In Baden-Württemberg liegt ein Mustervertrag erst seit kurzer Zeit vor.

Workshops geben Tipps für den Umgang mit dem Tod

Wie gesagt gibt es auch im Kreis Ludwigsburg ein solches Palliativ-Care-Team bis jetzt noch nicht. Das soll sich aber möglichst bald ändern. Denn am gemeinsamen Ziel aller Beteiligten rüttelt niemand. "Den Menschen nicht allein lassen", fasst Birgit Weihrauch dieses in Worte. Wie das in einer so schwierigen Situation wie dem Sterben gelingen kann, das wurde den Teilnehmern im Laufe des Tages in zahlreichen Vorträgen und Workshops durch erfahrene Fachleute in vielfältiger nahe gebracht.

(aus: Ludwigsburger Kreiszeitung, Ausgabe vom 16.Juni 2010, Seite 10)